Magere Weizenbestände verschlimmern die Lage

Die traurigen Ereignisse, die wir in der Ukraine erleben, haben das Thema Ernährungssicherheit in den Mittelpunkt gerückt. Unterbrechungen der Lieferketten zusammen mit Selbstsanktionen haben die Getreidepreise auf mehrjährige Höchststände getrieben.

Angesichts der Bedeutung Russlands und der Ukraine für die Getreidemärkte bedeutet die Ungewissheit über die Angebotsaussichten, dass die Preise hoch und volatil bleiben werden.

Die Bedeutung Russlands und der Ukraine für die Agrarmärkte

Sie müssen nicht viel über die jüngsten Preistrends auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten hinausblicken, um die Bedeutung Russlands und der Ukraine für die globalen Märkte zu erkennen. CBOT-Weizen hat sich in diesem Jahr um mehr als 70 % erholt, wobei die Preise über 13 US-Dollar/bu brachen und auf den höchsten Stand seit 2008 gehandelt wurden. Mais hat ebenfalls an Stärke gewonnen, er stieg in diesem Jahr um fast 30 % und erreichte ein zuletzt gesehenes Niveau 2013. Schließlich haben Sojabohnen um mehr als 25 % zugelegt und zeitweise über 17 US-Dollar pro bu gebrochen – ein Niveau, das seit 2012 nicht mehr erreicht wurde. Zugegeben, die Stärke von Sojabohnen wäre größtenteils auf Ernterückgänge in Südamerika zurückzuführen, aber es wird auch so sein Unterstützung durch einen angespannten Palmölmarkt sowie Bedenken hinsichtlich der Lieferung von Sonnenblumenöl aus der Ukraine und in geringerem Maße aus Russland.

Die anhaltende Unsicherheit deutet darauf hin, dass die Getreide- und Ölsaatenmärkte weiterhin eine erhebliche Risikoprämie einpreisen werden. Ein verlorenes Exportangebot aus der Ukraine und Russland würde die globalen Weizen- und Maisbilanzen erheblich verschärfen und als Folge die Aussichten zumindest für die nächste Saison ändern.

Russland und die Ukraine – Kraftpakete, wenn es um Getreide geht

Die Ukraine ist ein bedeutender Getreideproduzent. Laut USDA werden 2021/22 schätzungsweise 42 Tonnen Mais produziert, und es wurden Exporte von insgesamt 33,5 Tonnen erwartet. Dies hätte dazu geführt, dass die Ukraine rund 17 % des weltweiten Exportangebots ausmachte und den Platz als viertgrößter Maisexporteur der Welt einnehmen würde.

Auch beim Weizen ist die Ukraine ein großer Produzent. Das USDA schätzt, dass es 2021/22 33 Tonnen produzieren wird, während die Exporte voraussichtlich 24 Tonnen betragen werden. Damit wäre die Ukraine der drittgrößte Exporteur mit einem Anteil von fast 12 % am globalen Exportmarkt.

Abseits von Getreide und mit Fokus auf Ölsaaten ist die Ukraine der größte Produzent von Sonnenblumenkernen, wobei das USDA die Produktion 2021/22 auf 17,5 Mio. Tonnen schätzt, was mehr als 30 % der weltweiten Produktion ausmacht. Es hat auch eine große heimische Zerkleinerungsindustrie, von der beträchtliche Mengen sowohl an Sonnenblumenmehl als auch an Öl exportiert werden.

In den Jahren 2021/22 hat Russland schätzungsweise 75,5 Mio. Tonnen Weizen produziert, obwohl es in den letzten Jahren mehr als 85 Mio. Tonnen produziert hat. Die Exporte werden in dieser Saison auf rund 35 Millionen geschätzt, womit Russland das größte Exportland wäre und fast 17 % des weltweiten Exportangebots halten würde. Bei Mais ist Russland ein weniger dominanter Lieferant. Die Inlandsproduktion wurde 2021/22 auf rund 15 Mio. Tonnen geschätzt, während die Exporte die Saison voraussichtlich bei 4,5 Mio. Tonnen beenden werden.

Russland ist auch der zweitgrößte Produzent von Sonnenblumenkernen und macht 27 % der weltweiten Produktion aus. Wie in der Ukraine wird das meiste davon im Inland verarbeitet, und alle Exporte erfolgen in Form von Öl und Mehl.