Der israelische Premierminister bietet Putin an, für die Einstellung der Feindseligkeiten zu vermitteln

Auf Bitten des ukrainischen Präsidenten reiste der Regierungschef nach Moskau und gleich danach weiter nach Berlin.

Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennet habe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefongespräch am Sonntag angeboten, über eine Einstellung der Feindseligkeiten bei der russischen Intervention in der Ukraine zu vermitteln, berichtete der Kreml.

„Bennett hat Israels Vermittlungsarbeit angeboten, um den Militäraktionen ein Ende zu setzen“, heißt es in der Kreml-Erklärung.

Während des Telefongesprächs informierte Putin den israelischen Beamten „über den Fortschritt der militärischen Sonderoperation“ in der Ukraine und sagte ihm, dass eine russische Delegation in der weißrussischen Stadt Gomel bereit sei, mit den Ukrainern zu verhandeln, dass diese „Sie habe diese Möglichkeit nicht genutzt.”

Laut Kreml sei das Telefonat auf Initiative der israelischen Seite erfolgt, und es sei vereinbart worden, “die bilateralen Kontakte in verschiedenen Bereichen fortzusetzen”.

Nach Medienberichten soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Bennett vor einer Woche gebeten haben, Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine auszurichten. 

Vor seinem Besuch in Moskau habe sich Bennett mit den USA, Deutschland und Frankreich abgestimmt, hieß es am Samstag aus israelischen Regierungskreisen. Bennett sei zudem „in ständiger Kommunikation mit der Ukraine“. Er habe mit Putin auch über die Lage der Israelis und der jüdischen Gemeinden angesichts des Konflikts gesprochen.

Am Abend teilte Israel mit, es werde ein Feldlazarett in der Ukraine zur Behandlung von Flüchtlingen aufbauen. Die entsprechenden medizinischen Teams sollen kommende Woche aufbrechen.

Menschenleben retten

Als religiöser Jude darf Bennett nach seinen Glaubensgrundsätzen am jüdischen Ruhetag Sabbat nur dann reisen, wenn es um die Rettung von Menschenleben geht. Bennett hatte am Mittwoch auch mit Selenskyj telefoniert.

Selenskyj, selbst jüdischer Herkunft, hatte sich zuletzt enttäuscht über seiner Ansicht nach mangelnde Unterstützung von Seiten Israels geäußert. Nach Medienberichten hatte Bennett Bitten Selenskyjs um Waffenlieferungen abgelehnt.

Israel hat gute Beziehungen zu beiden Ländern, befindet sich daher aber auch in einem Zwiespalt. Es will seinen wichtigsten Bündnispartner, die USA, nicht verärgern, ist aber gleichzeitig aus strategischen Gründen vom Wohlwollen Moskaus abhängig, unter anderem in den Konflikten mit Syrien und dem Iran.

Auf dem gleichen Weg

Nach dem Überraschungsbesuch in Moskau hat sich Bennett am Samstagabend in Berlin auch mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über den Ukraine-Konflikt beraten. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse von Bennetts Unterredung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Israel und Deutschland wollen weiter mit “aller Kraft daran arbeiten”, den Krieg in der Ukraine so schnell wie möglich zu beenden, hieß es.

Das bleibe gemeinsam Ziel und man werde weiter in engem Kontakt bleiben, teilte der deutsche Regierungssprecher Steffen Hebestreit in der Nacht zum Sonntag nach der rund 90-minütigen Unterredung mit. Scholz hatte erst vor drei Tagen Jerusalem besucht.