Victoria Falls, die spektakulärste Landschaft in Afrika

Der größte Wasservorhang der Erde erzeugt sogar in Vollmondnächten Regenbögen

Im Herzen des südlichen Afrikas, an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe, tobt der Kontinent. Ein Geräusch, das 50 Kilometer weit zu hören ist. Aus der Ferne wird es als dumpfes Rauschen wahrgenommen, aber je näher man kommt, desto ohrenbetäubender wird es. Dieser Schrei kommt aus einem gigantischen Mund: einer 1.700 Meter langen Schlucht, die seit jeher das Wasser des Sambesi verschlingt.

Die lokale Bevölkerung gab ihm den Namen Mosi-oa-Tunya, was in der Lozi-Sprache “der donnernde Rauch” bedeutet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist er auch als Victoria Falls bekannt.

Es ist der größte Wasservorhang der Erde. Sein durchschnittlicher Durchfluss beträgt 1,1 Millionen Liter pro Sekunde. Das entspricht nach 24 Stunden dem täglichen Haushaltsverbrauch von mehr als 260 Millionen Menschen. Ein majestätisches Spektakel.

Wenn man am Rand des Abgrunds entlanggeht, ob auf der sambischen Seite (im Mosa-oa-Tunya-Nationalpark) oder auf der simbabwischen Seite (im Victoria-Falls-Nationalpark), erlebt man das Phänomen des „invertierten Regens“. Das Wasser spritzt so heftig, dass es weit über die maximale Fallhöhe von 130 Metern – bis zu 400 Meter – geschleudert wird, um dann in Form von Tropfen sanft herabzustürzen.

Dadurch entsteht ein permanenter Dunst, der auch kilometerweit sichtbar ist. Tatsächlich gilt dies als das einzige Gebiet der Welt mit Dauerregen.

Touristen, die trotz ihrer Regenmäntel durchnässt sind, werden Zeugen eines weiteren merkwürdigen Phänomens. Unter der Sonne, die in diesen Breiten so häufig vorkommt, vermehren sich überall Regenbögen. Es erweckt den Eindruck, sein Ende sehen zu können, wo sich der Legende nach ein Topf voller Goldmünzen befinden soll. Und irgendwann hat man sogar das Gefühl, über einen Bogen zu gehen, wie im Land Oz im Film. Übrigens: In Vollmondnächten erscheinen auch Mondbögen.

Der imposante Wasservorhang stürzt in mehreren Wasserfällen aus den Basaltfelsen. Die vier wichtigsten sind die von Diablo, die Principales, die des Regenbogens (die höchsten) und die des Ostens. Dann mündet das Wasser des Sambesi in eine Reihe von Zickzack-Schluchten. In der zweiten dieser Schluchten führt ein Weg, der entlang der sambischen Grenze absteigt, zum sogenannten Boiling Pot.

Es ist ein Punkt, an dem das Wasser wirbelt und große Turbulenzen bildet, als würde es kochen (daher der Name). Sogar Nilpferde und Krokodile wurden dorthin geschleppt.

400 Fuß über dem Boiling Pot überspannt die Victoria Falls Bridge die Schlucht. Eine 198 Meter lange Stahlkonstruktion, die Simbabwe und Sambia verbindet. Konzipiert von Cecil Rhodes als Teil seines Traumprojekts für eine Eisenbahn zwischen dem Kap und Kairo. Es wurde am 12. September 1905 von George Darwin, dem Sohn von Charles Darwin, dem damaligen Präsidenten der British Association, eingeweiht. Heute ist es ein Anspruch für Liebhaber des Bungee-Jumpings geworden.

Im simbabwischen Teil der Wasserfälle befindet sich der Devil’s Pool. Es ist ein natürliches Becken am Rande des Abgrunds, mehr als 100 Meter hoch. Das Betreten ist nur am Ende des Jahres erlaubt, wenn es die Strömung zulässt und unter Aufsicht der Guides.

Devil’s Pool liegt in der Nähe von Livingstone Island, dem Punkt, von dem aus der schottische Entdecker David Livingstone die Wasserfälle zum ersten Mal sichtete. Es war 1855, 15 Jahre bevor er den vermissten Henry Stanley im Tanganjikasee fand. Beim Anblick des Spektakels schrieb Livingstone in sein Tagebuch: “So schöne Szenen müssen von fliegenden Engeln gesehen worden sein.” Und er benannte seine „Entdeckung“ nach Queen Victoria.